Städte und Stätten der Schweizer Reformation

SCHWEIZ

Studienreise zur Reformation

Die Reformation: Das ist mehr als ein Datum, mehr als der legendäre Thesenanschlag in Wittenberg und mehr als Martin Luther. So wichtig er als Impulsgeber war - die Reformation war eine europäische Bewegung. Nirgendwo wird das besser erfahrbar als in der Schweiz, angefangen in Zürich mit dem Humanisten Huldrych Zwingli – von Luther als "unflätige Sau" betitelt – bis nach Genf unter dem strengen Strategen und Kirchenführer Johannes Calvin. Daneben gibt es weitere eigenständige Persönlichkeiten und Städte, die für den Fortgang der Reformation wichtig geworden sind: allen voran Bern, die seinerzeit mächtigste Stadt der Schweiz, aber auch Chur und Ilanz im Bündnerland, Lausanne und Neuchâtel in der Westschweiz, natürlich auch Basel. Sie alle sind wunderbare Orte, voll von Geschichte und reich an architektonischen Schönheiten. Nicht zu vergessen die "katholische" Schweiz, die ebenso herausragende Kunststätten aufzuweisen hat. Unsere ökumenische Reise zu Städten und Stätten der schweizerischen Reformation erschließt beides, das Gesicht eines Landes aus der Perspektive einer entscheidenden Epoche seiner Kultur- und Kirchengeschichte – und seine landschaftlichen und kunstgeschichtlichen Höhepunkte: Bilder, die Sinne und Verstand, Auge und Herz gleichermaßen berühren.

Auf einen Blick
- Brennpunkte und Impulsgeber der Reformation in der Schweiz
- Ausgewählte Begegnungen mit Kirchenvertretern
- Landschaftliche und kunstgeschichtliche Höhepunkte der Schweiz
- Herrliche Drei-Pässe-Fahrt von Graubünden ins Berner Oberland

1. Tag: Umstrittener Anfang der Reformation: Zwingli in Zürich
Am ersten Tag geht es von Stuttgart über Singen und Schaffhausen nach Zürich, Ausgangspunkt der reformatorischen Bewegung in der Schweiz. Unser Interesse konzentriert sich auf die beiden bedeutenden Innenstadtkirchen: das Grossmünster, wo Huldrych Zwingli als Prediger und Reformator wirkte, und das gotische Fraumünster mit den berühmten Glasfenstern von Marc Chagall. Hotelbezug für eine Nacht. (ca. 220 km)

2. Tag: Reformierte Nüchternheit und katholische Prachtentfaltung
Zürich: Am Vormittag ist Gelegenheit zum Besuch eines reformierten Gottesdienstes im Zürcher Grossmünster. Ein echter Kontrast ist das Benediktinerklosters Einsiedeln von Caspar Moosbrugger, der bedeutendste Barockbau der Schweiz, mit Stuck und Fresken der Brüder Cosmas Damian und Egid Quirin Asam aus Bayern. Danach geht es mit Blick auf das Churfirsten-Massiv am Walensee entlang ins Rheintal und weiter nach Graubünden. Hotelbezug in Chur für zwei Nächte. (ca. 185 km)

3. Tag: Reformatorischer Aufbruch: bürgerliche Freiheit gegen bischöfliche Macht
In Chur, Sitz des ältesten Bistums nördlich der Alpen, treffen sich die beiden, Stadt und Kanton prägenden Traditionen. Beherrschend über der Stadt liegt die katholische Kathedrale Mariä Himmelfahrt, teilweise noch aus karolingischer Zeit. Die spröde reformierte Stadtkirche St. Martin erinnert an den Reformator und Begründer der Bündner Synode (1537) Johannes Comander. Danach bleibt freie Zeit für eigene Entdeckungen in der malerischen Altstadt mit der Möglichkeit zum Besuch im Rhätischen Museum. Sowohl kunst- als auch kirchengeschichtlich bedeutsam ist Ilanz mit der Stadtkirche St. Margarethen, in der sich ein typisch reformierter Raumeindruck und vorreformatorischer Raumschmuck harmonisch miteinander verbinden. Für die schweizerische Reformation haben Stadt und Kirche eine wichtige Rolle gespielt. (ca. 80 km)

4. Tag: Drei-Pässe-Fahrt von Graubünden ins Berner Oberland
Erstes Etappenziel ist das Benediktiner-Kloster Disentis, eine Gründung des 8. Jahrhunderts, das sich heute als mächtiger Barockbau aus dem späten 17. Jahrhundert präsentiert. Danach erwartet uns eine Fahrt voller landschaftlicher Höhepunkte, wie sie nur in der Schweiz möglich ist: über den Oberalp-Pass (2.044 m) nach Andermatt, dann über den Furka-Pass (2.429 m), die europäische Wasserscheide zwischen Mittelmeer und Nordsee mit Blick auf den Rhône-Gletscher, und schließlich über den Grimsel-Pass (2.164 m) zwischen Oberwallis und Berner Oberland. Meiringen im Haslital, der Brienzersee, der Thunersee mit Spiez und Einigen sind die weiteren Stationen, die wir passieren, ehe wir Thun erreichen: Hotelbezug für eine Nacht (ca. 220 km)

5. Tag: Bern: Durchsetzung der schweizerischen Reformation
Unser heutiges Ziel ist zunächst die Bundeshauptstadt Bern, mit der Calvin in heftige Auseinandersetzungen verwickelt war. Über den mittelalterlichen Straßen mit ihren prächtigen Kaufmannshäusern thront beherrschend das Münster, das bedeutendste hochgotische Bauwerk der Schweiz mit überreicher Ausstattung. Wir sehen außerdem die Heiliggeist-Kirche (1726-1729), das schönste Beispiel eines reformierten Barockbaus in der Schweiz. Am Nachmittag machen wir einen Zwischenhalt in Lausanne zum Besuch der gotischen Kathedrale, wo Pierre Viret (1511-1571) gewirkt hat, einer der engsten Vertrauten Calvins und Begründer der ersten theologischen Hochschule für reformierte Prediger. Hotelbezug für zwei Nächte bei Genf. (ca. 210 km)

6. Tag: Die Reformation wird international, die Bewegung zur Kirche
Der ganze Tag gehört Genf, wo Johannes Calvin 1536-1538 und von 1541 bis zu seinem Tod 1564 gewirkt hat und wo die Reformation feste kirchliche Strukturen gewann. Hauptanziehungspunkt ist die Kathedrale St-Pierre, die Predigtstätte Calvins, ein strenger, zwischen Spätromanik und Frühgotik stehender Bau, seit 1532 prot. Pfarrkirche. Südlich davon liegt der Temple de l'Auditoire, das theologische Auditorium des Reformators, wo auch der schottische Reformator John Knox und Calvins Nachfolger Theodor Beza gewirkt haben. Das Reformationsmuseum am Cour Saint-Pierre zeigt eindrucksvoll Entwicklung und Ausstrahlung der Genfer Reformation. Außerdem sehen wir das Collège, die alte, von Calvin gegründete Akademie beim Jardin St-Antoine, das Reformationsdenkmal an der Promenade sowie das Grab Calvins auf dem Cimetière des Rois im Stadtteil Plainpalais.

7. Tag: Mehr als Nebenschauplätze: Neuenburg und Basel
In Neuchâtel in der Westschweiz wirkte Guillaume Farel (1489-1565), der Weggefährte und Wegbereiter Calvins, als Reformator. Bedeutsam wurde die Stadt auch als Zufluchtsort französischer Glaubensflüchtlinge und als Heimat von Friedrich Dürrenmatt. Die von zahlreichen Zeugnissen der Reformationsgeschichte umgebene Collégiale (Stiftskirche) ist ein eindrucksvolles Dokument des Bildersturms. Der Kreis schließt sich in Basel. Hier wirkte Johannes Oekolampad (1482-1531), hier fand Calvin nach seinem Abschied aus Paris Zuflucht (1535/36) und verfasste sein bedeutendstes Buch, die „Institutio Christianae Religionis". Das Spalentor gilt als das schönste Stadttor der Schweiz. Das die Stadt beherrschende, romanisch begonnene und gotisch vollendete Münster mit seiner Krypta gehört zu den bedeutendsten Sakralbauten des Landes. Hotelbezug für eine Nacht. (ca. 240 km)

8. Tag: Die Reise endet, die Reformation nie
Fahrt über Karlsruhe nach Stuttgart. (ca. 260 km)